Houston, wir haben ein Problem!

Liebe Ehemänner und -frauen da draußen! Die Geschichten aus der Reihe “Das (Ehe)Leben ist kein Ponyschlecken” sind eine Liebeserklärung an Euch und Eure skurrilen Marotten. Denn es sind die Brüche in Euren Persönlichkeiten, Eure unvorhersehbaren Handlungen und oft auch unverständlichen Worte, die unserem Alltags(Ehe)grau Farbe verleihen. Wir lieben Euch trotzdem oder vielleicht sogar deshalb. Und umgekehrt - hoffen wir - ist es genauso. 

Prolog:

Berti notruft seine Frau aus der Alukapsel. Es ist ernst.

Kaffee spielt im Hause Holzer eine große Rolle und zwar nicht nur gemessen an der Quantität der Einheiten, die sich Berti vor 8.30 Uhr in die linke Herzkammer gießt, sondern auch die Zubereitung betreffend. Haben wir über 20 Jahre lang unplugged einen wunderbar extradunklen Cowboykaffee in der Bialetti gebraut, hält plötzlich George Clooney Einzug mit seinen in jeder Hinsicht fürchterlichen Alukapseln. Dass das die romantische Geräuschkulisse von einem seligen Gluckern in ein metallisches Dröhnen verändert, war vorhersehbar. Nicht jedoch die gellenden, verzweifelten Hilferufe, die aus dem Küchenorbit drangen. Warum man sich als Gast endlich nicht mehr um einen Kaffee anstellen muss und Alarmstufe rot bei Verwendung von Lottis echtem Namen ausgerufen wird, lesen Sie in dieser Geschichte:

Houston, wir haben ein Problem!

Lesezeit: 3 Minuten

Viele Jahre lang brauten wir unseren Kaffee all´italiano, das heißt, in einer Bialetti am Herd. Es war eine kleine, schnuckelige Bialetti, für zwei Tassen. Eine Einladung zum Kaffee im Hause Holzer war entgegen unserer Selbsteinschätzung viele Jahre lang eher ungemütlich, da aufgrund der herstellbaren Kaffeemenge Kaffee und Kuchen nur konsekutiv - also zuerst der Kuchen, dann der Kaffee - zu genießen waren. Es artete auch in tumultartige Szenen am Küchentresen aus und zwar immer dann, wenn mehr als zwei Gäste geladen waren. Denn jeder wusste, das würde dauern. Und während die letzten Gäste endlich drankamen, drängten sich die ersten schon wieder vor für Runde zwei. Das war für Gäste wie Gastgeber eher stressig, also besorgten wir uns im Gradeser Haushaltswarengeschäft eine weitere Kaffeemaschine. Natürlich eine Bialetti, diesmal für 6 Tassen, also konnten wir nun gleichzeitig 8 Gäste bedienen. Also theoretisch, weil das Milchschäumgerät natürlich nur für 2 Tassen …

Ich war trotzdem sehr zufrieden mit der Situation, ich mochte es, wenn die Bialetti zum Gluckern ansetzte und der Kaffeegeruch durch die Wohnung waberte. Ich fühlte mich wie in Turin, damals, 1995. In der Zwischenzeit tat sich jedoch viel am Kaffeemarkt, neue, bessere, praktischere und/oder stylischere Kaffeemaschinen zogen in die Haushalte unserer Freunde ein, aber wir blieben bei dem, was wir hatten. Und kannten. Weil eben: Der Kaffee aus der Bialetti ist einfach der beste.

Vor einiger Zeit jedoch überschwemmte uns der heimische Print- & TV-Werbemarkt mit der einen, der State of the Art-Kaffeemaschine, die man einfach haben muss, wenn man chic und George Clooney nah sein wollte. Nespresso. What else?

Mir persönlich schmeckte der Kaffee aus der bunten Kapsel überhaupt nicht, ja, wenn ich gezwungen war, eine Buntkapsel zu mir zu nehmen, weil ich blöderweise vorher nicht die Küche der Gastgeber*Innen inspiziert hatte, schluckte ich das Gebräu mit Todesverachtung hinunter und bildete mir sogar ein, dass mir darauf schlecht wurde. Deshalb zuallererst bitte eine Führung durch die Wohnung („Ich liebe Interior Design“) mit einer ausführlichen Beschreibung der Küche nebst Geräten, währenddessen ich unbemerkt die Art der Kaffeezubereitung checkte. Und im Zweifelsfall Tee orderte. Vor allem in Haushalten, die Augen und Gaumen eine Billigversion der Nespresso zumuteten.

Nicht nur schmeckte mir Nespresso nicht, ich fand es unerhört, dass man Kaffee in Alu-Kapseln steckt, die man nach ihrer Verwendung zum Altstoffzentrum bringen muss. Bei der Bialetti hingegen: Kaffee trinken, zur Kirschlorbeerhecke gießen, Nacktschnecken vernichten. Perfekt.

Der langen Rede kurzer Sinn: Ich war dagegen. Sie wissen, worauf das jetzt hinauslaufen wird. Genau. Der geliebte Gatte war dafür, eindeutig dafür, der Kaffee so gut und geht so schnell, ein Traum. „Lotti“, sagte er, „Lotti, der Kaffee ist ein Traum.“ Und weiter: „Du weißt, wie wichtig mir in der Früh ein (!) guter Kaffee ist“, und kam anderntags mit einer Maschine heim. Und einer Wagenladung Kapseln in jeder erdenklichen Farbe.

Weil sich uns die Bedeutung des Farbspektrums der Alukapseln nicht erschloss, beschrieben wir die Küchenwand mit einer Erklärung, was regelmäßig für Erheiterung unserer Gäste sorgte. Ich braute meinen Kaffee weiterhin stur mit meiner Bialetti und erzählte jedem, der es nicht hören wollte, was ich von der Neuanschaffung hielt.

Nach mehrmonatigem Gebrauch war es nun an der Zeit, die Nespresso zu entkalken. Ich schlug vor, einfach Essig durch das Gerät laufen zu lassen. Der stylische Preis des Kaffeeautomaten ließ jedoch keine Experimente zu und so kam mein Mann mit einer Entkalkungslösung von und für Nespresso nach Hause. Ich erklärte mich für nicht zuständig. Als die Stunde der Reinigung gekommen war, wartete ich auf das, was verlässlich gleich passieren würde. Es dröhnte erst die Maschine und Sekunden später die sich überschlagende Stimme meines Mannes, der durch die Wohnung schrie: „Karin! Karin! Wir haben ein Problem!“

Alarmstufe rot! Wenn ich bei meinem echten Namen gerufen werde, weiß ich, dass es ernst ist. Dass ich unverzüglich zu erscheinen habe, weil sonst Unglück.

Also schwinge ich mich vom Sportgerät und muss im Sprint zur Küche über die verzweifelten Rufe des Gatten herzhaft lachen. Vor meinem geistigen Auge sehe ich Astronaut Berti in seiner Alukapsel todesängstlich überfordert auf die vor ihm befindliche Instrumententafel blicken. Keine Panik, Major Tom in your tin can, das Bodenpersonal ist schon im Anflug.

Ich eile also in die Küche, nicht ohne auf dem Weg lautstark meinem Unmut Ausdruck zu verleihen, und sehe, wie die Entkalkungsflüssigkeit das untergestellte Glas verlässt, weil mein lieber Mann nicht nur ein zu kleines Glas verwendet hatte, sondern es auch noch gekippt war, da ihm die Mechanik der Abstellfläche - man kann sie wegklappen und danach ein in der Größe passendes Gefäß unterstellen - nicht bekannt war. Vorsichtshalber hatten wir zuvor - wie bei jedem Gerät, das wir erwerben - die Gebrauchsanweisung an einen nicht auffindbaren Ort - sagen wir - verstaut.

Seither funktioniert der Kapselautomat klaglos und ich gebe zu, es ist eine Erleichterung, binnen einer Minute einen Kaffee zu trinken. Oder etwas, das aussieht wie Kaffee. Und weil es mir jetzt sogar zu lang dauert, auf den Milchschaum aus dem Milchschaumgerät zu warten, trinke ich nun viel weniger Milch. Und das ist der Grund, warum ich jetzt doch dafür bin. Ob er mir schmeckt? What else?

(Update: In der Zwischenzeit haben wir unser Klima-Gewissen wieder beruhigt. Zunächst mit einer sehr hippen Version einer Filterkanne, bei der man das heiße Wasser in kunstvollen Kreisen über dem wiederverwendbaren Filter schwenkt, was Berti aufgrund extensiver Schwenkung beinahe einen Tennisarm beschert hatte, um letztendlich dort zu enden, wo wir 1996 vor der Bialetti begonnen hatten - bei einer Siebträgermaschine.)

Ihr habt auch so einen Berti/Lotti/Leo zu Hause? Oder seid es selbst? Erzählt mir Eure Geschichte, gerne schreibe ich sie auf und veröffentliche Eure skurrile Liebeserklärung hier in FROHLOTTE’s Alltagsperlen!

karin.holzer@sternschanze.at

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