Von da nach da ist es nicht dick

Liebe Ehemänner und -frauen da draußen! Die Geschichten aus der Reihe “Das (Ehe)Leben ist kein Ponyschlecken” sind eine Liebeserklärung an Euch und Eure skurrilen Marotten. Denn es sind die Brüche in Euren Persönlichkeiten, Eure unvorhersehbaren Handlungen und oft auch unverständlichen Worte, die unserem Alltags(Ehe)grau Farbe verleihen. Wir lieben Euch trotzdem oder vielleicht sogar deshalb. Und umgekehrt - hoffen wir - ist es genauso. 

"Von da nach da ist es nicht dick": Aus "Das (Ehe)Leben ist kein Ponyschlecken

Prolog:

Berti ist schwanger. Aber nur manchmal.

Die ganze Familie blickt dem Herbst stets mit einem gewissen Unbehagen entgegen: Leo, weil er seinen ordentlichen Wohnsitz vom Freibad zurück in unsere Wohnung verlegen muss, ich, weil ich eine Woche brauche, um mich vom Schulstart-Jetlag (siehe dazu auch die gleichnamige Geschichte) zu erholen und Berti, weil er sich nach dem zügellosen, textilfreien Sommer seiner Körperform gewahr wird und sich in Folge den inneren Organen zuwendet. In welchem Zusammenhang Bertis Leber mit seiner repetitiv auftretenden Schwangerschaft steht und was zwei Tassen Caffé Latte damit zu tun haben, erfahrt Ihr in dieser Geschichte:

Von da nach da ist es nicht dick

Lesezeit: 2 Minuten

Ich habe sicher schon mehrfach erwähnt, dass mein Mann in seiner Lebensmitte rund um die Leibesmitte statt, wie in diesem Alter oftmals üblich, eines weich gepolsterten Schwimmreifens stählernes Muskelfleisch trägt, und ja, ich stolziere im Schwimmbad. Neben ihm.

Trotzdem oder gerade deswegen hat er einen recht eigentümlichen Zugang zum Thema Gewicht und Bauchumfang, was sich in zweifachem, 6-8-wöchigem “Ramadan” pro Jahr äußert (ich habe darüber berichtet). Natürlich sind diese Perioden des Fastens PRIMÄR der Gesundheit geschuldet, konkret der inneren Organe, ganz konkret der Leber. Aber ich orte da eine Vermischung von verschiedenen Themen, Ängsten und Unwissenheiten, aus denen sich das Problem mit dem Bauch ergibt.

Tatsächlich wächst unter der stahlharten Bauchdecke von Zeit zu Zeit eine medizinballgroße Kugel heran. Es sieht so aus, als wäre er im sechsten Monat schwanger und ich bin jedes Mal ergriffen von der Vorstellung, dass mein Mann aus Liebe zu mir die Geburt des zweiten Kindes übernimmt. In diesen Momenten streichle ich ihm jedes Mal sanft über die Wampe und frage, was er denn in Gottes Namen schon wieder gegessen habe, das er nicht vertrage.

Sie müssen nämlich folgendes wissen: Sein Mini-Me, unser Sohn, hatte exakt die gleiche Wampe als Kleinkind, er passte in keine Hose ohne Gummibund und erst nach langen drei Jahren erhielten wir die Diagnose: Lactoseunverträglichkeit nebst Fructosemalabsorption. Zu diesem Zeitpunkt war mein Mann auch schon einige Zeit auf der Welt und hatte sich bis dahin nie gewundert, warum seine Verdauung bemerkenswert und sein Bauch oft überdimensional ist. Nun allerdings, da der Arzt einen homozygoten Zusammenhang herstellte und ICH als Verursacherin ob meiner niederfrequenten Aufenthalte am Lokus von vornherein ausschied, entschloss er sich, endlich dem Mysterium auf den Grund zu gehen.

Was soll ich Ihnen sagen, Sie ahnen es bereits: Der Test wurde nach 20 Minuten abgebrochen, da zu diesem Zeitpunkt die Werte bereits derart erhöht waren, dass jeder Zweifel auszuschließen war. Leute, die keine Lactose vertragen, sollten - no na - keine essen. Bei unserem Sohn sind wir da ganz streng, und wenn es sich doch nicht vermeiden lässt, bekommt er eine Enzymkapsel. Mittlerweile maßregelt der Sohn den Vater, wenn der mal wieder Genuss vor Verträglichkeit walten lässt. Was statt erhoffter Frittatensuppe im Südtiroler Hauben-Restaurant zu leerer Suppe an Karottenfäden führt.

Doch schaut das Kind nicht hin, trinkt er zwei Caffé Latte im Kaffeehaus und bekommt danach die Hose nicht mehr zu. Dies, vermischt mit der ständigen Sorge um die Funktionstüchtigkeit der Leber (der zügellose Sommer liegt gerade hinter uns) führt zu skurrilen Ängsten, die, mit treuherzigem, mitleiderregendem Blick geäußert, einer gewissen Komik nicht entbehren. „Schau“, sagt er dann, „Von da nach da ist es nicht dick. Aber da“, und jetzt zeigt er auf seinen Bauch, „da hab ich so einen Bauch … Glaubst du, das ist vom Saufen? … aber ich trink’ ja keine Milch, wobei … ich überleg’ jetzt, bei meiner Diät am Wochenende EVENTUELL einen Caffé Latte zu trinken … und VIELLEICHT nehm’ ich auch eine kleine Süßspeise dazu … was meinst?” Ich meinte nichts. Ich weinte vor Lachen und schob mir demonstrativ ein Milchkeks direkt in meinen natürlich gewachsenen Schokobauch.

Ihr habt auch so einen Berti/Lotti/Leo zu Hause? Oder seid es selbst? Erzählt mir Eure Geschichte, gerne schreibe ich sie auf und veröffentliche Eure skurrile Liebeserklärung hier in FROHLOTTE’s Alltagsperlen!

karin.holzer@sternschanze.at

Zurück
Zurück

Houston, wir haben ein Problem!

Weiter
Weiter

Als Metallica (beinahe) Bonnie Tyler frikassierte